Blog über Spiritualität, Yoga & Lebensthemen

Shiva blogEs ist nicht ungewöhnlich, dass Gesellschaften mit ihren Tendenzen die ursprüngliche Bedeutung von Begriffen verändern oder missinterpretierten. Auch wenn vor gut 2000 Jahren unter Yoga die Beruhigung der Gedanken verstanden wurde, so assoziiert man in unserer bewegten und schnelllebigen Zeit darunter oft Gymnastik, Workout oder Aerobic-Ersatz, verpackt in esoterische Sanskritnamen. Es ist auch nicht überraschend, wenn man heutzutage unter Āsana in erster Linie eine komplexe oder komplizierte Körperhaltung versteht, die man meist nur wenige Momente halten will oder kann.

Waldplatz sw„Stein am Weg, du bist stärker als ich! Baum in der Wiese, du wirst mich überdauern, und vielleicht sogar du, kleiner Himbeerstrauch, und vielleiht sogar du, rosig behauchte Anemone. Einen Atemzug lang spüre ich, tiefer als je, die Flüchtigkeit meiner Form und fühle mich hinübergezogen zur Verwandlung, zum Stein, zur Erde, zum Himbeerstrauch, zur Baumwurzel. An die Zeichen des Vergehens klammert sich mein Durst, an Erde und Wasser und verwelktes Laub. Morgen, übermorgen, bald bin ich du, bin ich Laub, bin ich Erde, bin ich Wurzel.“
Hermann Hesse

Flo Irrsee MorgenIn dem 1974 veröffentlichten Buch "Superconscious Meditation" schreibt Swami Veda Bharati (1933 - 2015) Folgendes: „Derzeit sind im Westen drei Arten des Yogas bekannt. Ich bezeichne diese als Hollywood Yoga, Harvard Yoga und Himalaya Yoga.“ Diese unkonventionelle, aber treffende Unterteilung wurde zu einer Zeit gemacht, als Yoga in erster Linie noch im ursprünglichen Sinne als meditative Praxis zur Selbsterkenntnis verstanden wurde und nicht als schweißtreibendes Bodyworkout mit Musikbegleitung. Und damals wurde mit Yogasanas auch noch nicht für Kaffee oder andere modische „spirituelle Notwendigkeiten“ geworben.

stille trotz laerm„Nie hatte die Welt ‚Lehrmeister der Stille‘ nötiger als heute, und gerade heute findet man sie seltener denn je…“, bemerkte Tiziano Terzani in seiner Einsiedelei im Himalaya. Wir leben in einer Welt, in der die Intensität und Schnelligkeit von Eindrücken rasant zunimmt; und proportional dazu verstärkt sich der Wettlauf gegen die Langeweile und die Sucht nach "fun & action". Viele haben sich mittlerweile so sehr an eine Berieselung gewöhnt, dass sie Musik nicht nur zu Hause, im Auto oder bei der Arbeit ununterbrochen hören, sondern auch beim Yoga unter keinen Umständen darauf verzichten wollen.