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Gunas Wasserlilie fin2>> zum 1. Teil

Wenn unser Geist von tamasischen und rajasischen Kräften beeinflusst wird, dann ist auch unsere Sichtweise auf die Welt entsprechend subjektiv gefärbt. So kann Tamas die Empfindung hervorrufen, dass alle gegen uns oder wir an allem schuld sind, und es keinen Ausweg gibt. Haben wir eine rajasísche Brille auf, dann sehen wir hinter allem und jedem nur ein Mittel, um irgendwelche Ziele zu erreichen. Nur im sattvischen Zustand ist es uns möglich, einen gewissen objektiven Blickwinkel einzunehmen und das Spiel der Gunas zu durchschauen, ohne darauf reagieren zu müssen.

Gunas Wasserlilie fin„Statt Erfolg oder Nichterfolg wird mit Hilfe der Gunas eine Richtung angestrebt, welche die sattvische Komponente unseres Denkens und Handelns stärkt.“ (Alexander Kobs)

Der Sanskrit-Begriff ‚Guna‘ heißt eigentlich Faden; er hat aber auch die Bedeutung von Eigenschaften und Qualitäten, die durch Urmaterie (Prakriti) oder Illusion (Maya) bedingt sind. Die damit gemeinten drei Kräfte von Tamas, Rajas und Sattva wirken in unterschiedlicher Art in der Natur, aber auch in jedem von uns - sowohl auf physischer und mentaler Ebene, von der Geburt bis zum Tod und darüber hinaus. Die Zunahme einer Qualität geht dabei immer auf Kosten der zwei anderen.

Shiva blogEs ist nicht ungewöhnlich, dass Gesellschaften mit ihren Tendenzen die ursprüngliche Bedeutung von Begriffen verändern oder missinterpretierten. Auch wenn vor gut 2000 Jahren unter Yoga die Beruhigung der Gedanken verstanden wurde, so assoziiert man in unserer bewegten und schnelllebigen Zeit darunter oft Gymnastik, Workout oder Aerobic-Ersatz, verpackt in esoterische Sanskritnamen. Es ist auch nicht überraschend, wenn man heutzutage unter Āsana in erster Linie eine komplexe oder komplizierte Körperhaltung versteht, die man meist nur wenige Momente halten will oder kann.

Waldplatz sw„Stein am Weg, du bist stärker als ich! Baum in der Wiese, du wirst mich überdauern, und vielleicht sogar du, kleiner Himbeerstrauch, und vielleiht sogar du, rosig behauchte Anemone. Einen Atemzug lang spüre ich, tiefer als je, die Flüchtigkeit meiner Form und fühle mich hinübergezogen zur Verwandlung, zum Stein, zur Erde, zum Himbeerstrauch, zur Baumwurzel. An die Zeichen des Vergehens klammert sich mein Durst, an Erde und Wasser und verwelktes Laub. Morgen, übermorgen, bald bin ich du, bin ich Laub, bin ich Erde, bin ich Wurzel.“
Hermann Hesse