Sonntag, 08 August 2021 09:37

Spirituelle Entfaltung und transformierende Medien (Teil 2)

geschrieben von
Inhalt bewerten
(0 Stimmen)

right left verkehrt klSpirituelle und religiöse Gemeinschaft

Nicht nur auf der weltlichen Ebene ist der persönliche Kontakt zur Lebensentfaltung unersetzbar. Wie im ersten Teil bereits erwähnt, ist in den meisten spirituellen und religiösen Traditionen eine direkte Verbindung zu einem Lehrer einer der wichtigsten Schlüssel zur spirituellen Entfaltung. (Dass eine zu enge Bindung auch Schattenseiten mit sich bringt, möchte ich hier gar nicht in Frage stellen.)

Beispielsweise wird in dem Buch „Gespräche des Weisen vom Berge Arunachala“ klar, wie individuell Ramana Maharshi die Fragen jedes einzelnen Besuchers beantwortet. Jeder Suchende steht auf einem anderen Level, hat seine eigenen blinden Flecken und eine andere Schwelle zu überschreiten. Ein guter Lehrer kann alleine schon in der Fragestellung, im Klang der Stimme und in der Gestik herauslesen, welche Antwort in die Angstfreiheit, Liebe und Klarheit führt. Auch die Begriffe „Sangha“ und „Satsang“ beinhalten, wie wichtig eine gleichgesinnte Gemeinschaft ist, um sich gemeinsam dem Wesentlichen und der Wahrheit (Sat) zu nähern und darin zu verwirklichen.

Sekundäre Medien

Diese erfordern auf der Seite des Autors, Künstlers und Absenders ein bestimmtes Hilfsmittel, und der Empfänger und Betrachter braucht ein gewisses Verständnis. Diese Art des Mediengebrauchs hat in der 300.000 Jahre alten Geschichte des Homo Sapiens unterschiedliche Stadien vollzogen: Höhlenmalerei (ca. 45.000 Jahre), Schriftzeichen (ca. 7000 Jahre), Buchdruck (15. Jhd.) und Schulpflicht (18. Jhd.). Schließlich kam es im 19. Jhd. mit der Erfindung der Tageszeitungen zur Geburtsstunde der Massenmedien. Damit war es möglich, täglich das Weltbild und die Gesinnung von Millionen von Menschen zugleich zu beeinflussen.

Glaubensbücher

Da nicht nur jedes gehörte Wort eine im wahrsten Sinne des Wortes „beeindruckende“ Wirkung auf unser Denken hat, sondern auch jedes gedruckte, ist es nicht weiter verwunderlich, was für einen wichtigen Stellenwert religiöse Bücher und heilige Schriften in jeder Gesellschaft eingenommen haben. So war es zumindest bis zu jener Zeitenwende, als der Glaube an Gott oder an überweltliche Phänomene durch den Glauben an Kapitalismus, Wissenschaft und Konsum ersetzte wurde.

Tertiäre Medien

Diese sind komplexer, da nicht nur vom Urheber und Absender technische Mittel benötigt werden, sondern auch vom Empfänger. Auch wenn sie erst im letzten Jahrhundert den Einzug in unseren Alltag geschafft haben, bestimmen sie heute unser Leben am Eindrücklichsten. Dazu gehören zunächst die elektronischen Massenmedien wie Rundfunk oder Fernsehen. Im Jahre 1989 wurde mit der Erfindung des World-Wide-Web die „Digitale Revolution“ eingeleitet. Seitdem erleben wir täglich und stündlich ihren Fluch und ihren Segen.

Astrologischer Epochenwechsel

In der Astrologie spricht man von einem krassen und ungewöhnlichen Epochenwechsel, der sich gerade vollzieht. Astrologen sind überzeugt, dass es weder Gott, der Teufel oder Zufall ist, dass ausgerechnet jetzt neue digitale Erfindungen und Trends die Weltbühne betreten und bestimmen. Die letzten 200 Jahre wurden von der Erdqualität des Steinbocks geprägt, in der leibliche Genüsse, Prestige und materielle Besitztümer wichtig waren. Allmählich gewinnen die luftigen Qualitäten des Wassermanns an Bedeutung, bei denen es um Beweglichkeit, Flexibilität, Kommunikation, Technologie, Vernetzung und Austausch geht; aber auch um Widerstand gegen veraltete und verhärtete Strukturen, um Revolution und Evolution, um alternative Medien und kryptische Währungen, um Open-Source und Dezentralisierung. Wie viel Reibungen und Aufbrüche dieser Wechsel mit sich bringt können wir aktuell überall beobachten.

Medien: Fluch oder Segen?

Mit einem Messer, Auto oder einer chemischen Substanz kann man Menschenleben retten oder zerstören. Es liegt ausschließlich am Benutzer, ob er/sie es für einen guten und heilsamen oder für einen schlechten und destruktiven Zweck verwendet. Dieselbe Frage stellt sich auch beim medialen Gebrauch und Konsum. Man muss nicht jedes digital ausgedrückte Wort auf die Goldwaage legen. Die buddhistische Regel ist relativ einfach: Wenn meine Absicht heilsam ist, dann wird das Resultat heilsam sein und Positives bewirken. Wenn aber meine Absicht von Gier, Hass und Verblendung durchdrungen ist, dann wird das Resultat früher oder später Unheil und Leid in mir, in anderen und in der Umwelt bewirken.

Anregungen zum bewussten Medien-Umgang

Es ist empfehlenswert, dass wir immer wieder innehalten, nach innen lauschen, reflektieren und essentielle Fragen stellen, um uns in dem so überwältigenden Medien-Dschungel gut zurecht zu finden:

• Werde ich durch den Mediengebrauch ein passiver und beeinflussbarer Konsument, der sich leicht im Netz von Werbung, Vorurteilen, Ängsten, Verwirrung und Wut verfängt? Oder nutze ich diese modernen Tools bewusst, um meine Unabhängigkeit, Freiheit, Selbstermächtigung, Intuition, mein Mitgefühl und Unterscheidungsvermögen zu stärken und zu integrieren?
• Kann ich jene wertvollen Informationen herausfiltern, die von weisen, integren und liebevollen Mitmenschen in den virtuellen Raum gestellt wurden, damit sie als Quelle der Deeskalation, Liebe und Weisheit dienen?
• Welches Bedürfnis, welcher Mangel, welche Abhängigkeit, Not-Wendigkeit, Sehnsucht oder Emotion veranlassen mich, bestimmte Gedanken ins Netz zu stellen? Und würde ich solche Aussagen auch dann treffen, wenn die Angesprochenen mir gegenüberstehen würden?
• Habe ich die Disziplin und Entscheidungsfähigkeit, mich nicht in meiner Meinung und meinem Verhalten von den undurchschaubaren aber alles-durchschauenden Algorithmen beeinflussen zu lassen?
• Kann ich mich abends rechtzeitig von dem anziehenden und mitreißenden Medienstrom losreißen, damit mein Gemüt in einer beruhigten Stimmung den Tag zu Ende bringt und meine Seele in der Stille der Nacht ohne Stress und Sorgen neue Lebenskräfte tankt?
• Ist mir bewusst, dass in unserer medial übertriebenen Welt digitales Fasten und die kostbare Zeit mit mir selber, mit meinen Liebsten und mit der Natur die wichtigste Nahrung für eine gesunde Entfaltung meines Lebens und meiner Spiritualität ist?

>> Teil 1

Gelesen 214 mal
Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.