Donnerstag, 08 August 2019 15:51

Über die Vielfalt der Meditation

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blume tau sonnenaufgang„Wie eine Seiltänzerin ständig ihr Gewicht ausbalancieren muss, so gilt es auch in der Meditation, die verschiedenen Pole fein miteinander abzustimmen: Wachheit mit Entspannung, präzises Gegenwärtigsein mit Sanftheit, Entschlossenheit mit Vertrauen, Stabilität mit Weite, Makellosigkeit mit bedingungsloser Annahme und Sammlung mit Erforschen.“   Richard Stiegler

Der meditative Schlüssel zum Glück

Immer wieder höre und lese ich Definitionen, was Meditation ist - aber wie sollte es möglich sein, eine so komplexe und vielfältige Thematik in wenige Worte zu fassen? Als Meditationsanfänger haben wir meist ein bestimmtes Konzept davon, und auch als erfahrene Meditierende vermauern und verstecken wir uns manchmal hinter Überzeugungen und Techniken. Dadurch verstellen wir uns den Blick zu anderen Zugängen mit ihrer unglaublichen Vielfalt und unvorstellbaren Tiefe.

Achtsamkeit

Als Grundlage beinhalten fast allen Formen der Meditation eine gewisse Qualität von Achtsamkeit, um zwei Geisteszustände zu reduzieren oder zu transzendieren, die uns oft im Alltag begleiten und absorbieren: Unbewusstheit und Unruhe. Bezeichnenderweise bedeutet das englische Wort „present“ nicht nur „Gegenwart“ sondern auch „Geschenk“.

Achtsamkeit (Sati) ist auch im Buddhismus das wichtigste Fundament, aus dem heraus sich zweierlei Bewusstseinszustände entfalten können: Jener zur Geistesberuhigung (Samatha) und jener der Erkenntnis (Vipassana). In den indischen Weisheitstexten werden für Meditation verschiedene Sanskrit-Begriff verwendet, wie Bhavana (Entfaltung), Upasana (Hingabe) oder Vidiya (Wissen).

Das Yoga-Sutra

Dass früher unter Yoga in erster Linie eine meditative Praxis verstanden wurde wird dann klar, wenn wir im fast 2000 Jahre alten Text des Yoga-Sutra lesen: „Yoga ist der Zustand, in dem die Gedankenbewegungen zur Ruhe kommen“ (yogaś-citta-vṛtti-nirodhaḥ). Dabei beginnt der eigentliche meditative Pfad dort, wo die Faszination an der sinnlichen Welt aufgegeben wird (Pratyāhāra) und sich eine nach innen gerichtete Konzentration (Dhāraṇā) einstellen kann. Daraus können sich tiefere Versenkungszustände entfalten, die in der Folge „Dhyāna“ und „Samādhi“‘ genannt werden. Dabei spielt das menschliche Ego mit seinen beschränkten Gedanken und Identifikationen keine Rolle mehr und es können sich tiefgreifende, transpersonale Erkenntnisse (Samprajnata) manifestieren.

Meditation im Alltag

Trotz solcher erhabener Zustände, die man vielleicht erst nach langer, formaler Praxis und mit gutem Karma und Glück erleben kann, erfährt jeder von uns immer wieder ähnliche meditative Zustände, die von entrückter Selbstvergessenheit oder klarem Selbstbewusstsein geprägt sind: Beim Wandern, Joggen, Geschirrspülen, beim Betrachten einer Blume oder eines Kindes, in der Hängematte, beim Sex, wenn wir uns verlieben oder uns ein Schicksalsschlag trifft.

Warum – Wie – Wer?

Das Alltagsbewusstsein ist stark von den Fragen des „Warum?“ und „Wofür?“ geprägt und dabei verlieren wir uns oft in der zeitlichen Illusion von Vergangenheit und Zukunft. Wenn wir uns dagegen die Frage stellen: „Wie fühle ich mich gerade?“ oder „Wie erlebe ich diesen Moment?“, dann haben wir die Möglichkeit, unmittelbar mit der Gegenwart und einer tieferen Ebene unseres Seins in Verbindung zu treten.

Wenn wir noch einen Schritt weitergehen, dann wird der Unterschied zwischen dem herkömmlichen Verständnis von Meditation und Jnana Marga (Weg der Erkenntnis) deutlich: „In der Meditation gibt es immer ein Objekt, d.h. das Ich konzentriert auf etwas anderes als auf sich selbst. Aber in dieser Lehre fragst du einfach nach der Quelle des Ich. Wer bin ich? Wo kam das Ich her? Und wenn du dem Ich folgst, wird es dich zur Quelle führen, wo es kein Ich gibt.“

Schlüssel zum Glück

Wenn wir erkennen, dass nicht nur die Ursache allen Leidens in uns liegt, sondern auch der Schlüssel zur Leidfreiheit, werden wir Meditation nicht nur als angenehmen Zeitvertreib oder zur Stressreduktion nutzen. Wir werden darin vielfältige, einzigartige und „Not“-wendige Mittel zum bedingungslosen Glück sehen … und zwar nicht nur im „Hier & Jetzt“, sondern in allen Situationen, die uns das Leben noch schenken wird.

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