Montag, 03 Februar 2020 18:49

Über Grundbedürfnisse und Lebenskünste (Teil 1)

geschrieben von
Inhalt bewerten
(5 Stimmen)

Biene blog„Das ‚Schlachtfeld‘ des spirituellen Kriegers ist der Alltag. Denn hier findet die eigentliche Bewährungsprobe statt, und es zeigt sich, wie sehr wir Präsenz verwirklicht haben, oder ob wir uns ständig in Gedankenmustern verlieren.“ Richard Stiegler

Wenn du dich im Leben und in der Spiritualität wirklich entfalten willst, ist es notwendig, von Zeit zu Zeit inne zu halten und zu reflektieren:
Wo stehe ich gerade im Leben?
Was bewegt und ängstigt mich, was macht mir Freude und Hoffnung, wie und mit wem verbringe ich die Zeit, und erlebe ich meine Beschäftigungen und Aktivitäten, meine Beziehungen und Begegnungen, mein Leben im Großen und Ganzen als zufriedenstellend oder sinnlos?

Es gibt vier Bedürfnisse, die jeder Mensch erlebt und die mehr oder weniger zusammen hängen:
1. Teil:
+ Grundbedürfnisse
2. Teil (im nächsten Blogeintrag):
+ Beziehung
+ Verantwortung
+ Spiritualität

Selbstverantwortung im Alltag

Ein zufriedenstellendes Leben kann sich nur dann entfalten, wenn all diese Bereiche gewissenhaft adressiert und gelebt werden. Vernachlässige ich etwas davon oder nimmt irgendetwas zu viel Zeit und Energie in Anspruch, dann wird es mir kaum möglich sein, ein glückliches Leben zu führen. Es bleiben mir nur circa 16 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr, um mein Leben in die eine oder andere Richtung zu gestalten… und worauf will ich am Ende meines Lebens zurückblicken?
Ich möchte dich hier einladen, jeden dieser vier Aspekte zu reflektieren, um dir deine gegenwärtige Lebenssituation und deine nächsten Lebensschritte bewusster zu machen.

Grundbedürfnisse

Die meisten Menschen in der westlichen Konsumgesellschaft leben in einem so ausgeprägten und selbstverständlichen Überfluss, dass sie sich kaum darauf besinnen, was tatsächlich zum Leben notwendig ist. Ist es mir möglich, die Wellen von Verlangen, Bedürfnisbefriedigung und Wunschlosigkeit, die immer wieder in unterschiedlichen Nuancen kommen und gehen, mit Faszination, Freude, Geduld und Können bewusst zu machen, vom Morgen bis zum Abend, jeden Tag und in jedem Lebensabschnitt?

Körper

Verwende ich ihn bloß zur Lustbefriedigung, als Mittel, um irgendwelche Notwendigkeiten und Aufgaben auszuführen, um bestimmten Personen, Sachen und Ideen nachzulaufen?
Oder habe ich gelernt, sorgfältig auf dieses physische Wunderwerk zu achten, das mir von der Natur für ein paar Jahrzehnte als Mietwohnung geliehen wurde?
Empfinde ich den Körper als Verbündeten und Freund oder als Betrüger und Gegner?
Bin ich gegenüber feinen Körpersignalen abgestumpft und ignoriere ich psychosomatischen Alarmzeichen bis schmerzhaft die Handbremse für mich gezogen wird?
Oder kümmere ich mich darum wie um ein Baby, das mit bester Nahrung versorgt werden will, mit ausreichend Schlaf, mit ausgegleichender Bewegung?

Nahrung

Geht es mir beim Essen um Unterhaltung und Lustbefriedigung oder um Lebensquelle und Gesundheit? Schaue ich beim Einkauf nur auf den Preis oder achte ich dabei auch auf Mensch und Natur? Esse ich um zu leben oder lebe ich um zu essen? Bin ich mir bewusst, dass auch alles, was ich sehe, höre und erfahre Nahrung für den Geist ist, die verdaut werden muss? Wie gehe ich als Yogapraktizierender mit der Aussage „Du bist, was du isst“ um?
„Sattvische Ernährung in Maßen ist für die spirituelle Entfaltung am wichtigsten.“ (Ramana Maharshi)
“Food is the first Yoga.” (Krishnamachariya)

Kleidung

Wie viel Geld gebe ich jedes Mal für Klamotten aus, wie lang muss mein Kleiderschrank sein und wie groß mein Schuhregal, damit ich mich in meiner zweiten Haut wohl fühle?
Was versuche ich durch meine Kleidung zu kompensieren, das ich nicht in meinem Herzen trage?
Spiegelt der Umgang mit meiner Kleidung wider, wie ich mit mir, meinen Mitmenschen und der Umwelt umgehe?

Wohnbereich

Wie sehr fühle ich mich in meinen eigenen vier Wänden zu Hause?
Wie sehr kann ich mich dort von meiner Arbeit erholen, Frieden in stressigen Lebensumständen finden und meine Gastfreundschaft zum Ausdruck bringen?
Wie viel Wohnfläche (oder gar Häuser) brauche ich, damit ich mich nicht beengt und ängstlich fühle?
Wie viel Lebenszeit verbringe ich mit Saubermachen, Reparieren, Ausbauen, um mir Wohnungsmiete oder Bausparkredit leisten zu können… und mit wie viel Freude oder Frust mache ich all das?

Umwelt

Im Gegensatz zu Wildtieren und Naturvölkern bewegen sich die meisten Menschen heutzutage mit Hilfe von Transportmitteln, die selten mit Muskelkraft betrieben werden. Das meiste, was ich als Lebensmittel, Notwendigkeit und Luxusgut konsumiere, wächst nicht in meiner Umgebung, sondern wurde weit weg und aufwändig hergestellt. Dieser gewohnte Lebenswandel entfremdet mich nicht nur von der Natur und meinen Mitwesen, sondern hat auch eine katastrophale Wirkung auf die Umwelt und das Klima. „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.“ (Mahatma Gandhi)
Wie kann ich mein Leben ändern und vereinfachen - nicht nur um das Ökosystem zu retten (denn das wird sich früher oder später mit oder ohne die Menschheit irgendwie regenerieren), sondern um auch mir selbst und der kommenden Generation mit Integrität und gutem Gewissen zu begegnen? Was für eine Haltung habe ich im Leben: „Walk the talk!“, ein schlechtes Gewissen oder einen erhobenen Zeigefinger?

(>> Teil 2)
[Foto: Mandelblühte auf Ibiza am 2.2.2020]
 
Gelesen 1015 mal

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.