Blog über Spiritualität, Yoga & Lebensthemen

Wald Herz BlogIn Krisenzeiten habe ich dann schlechte Karten, wenn ich mich negativen Personen anvertraue, die mit jeder Lösung ein Problem haben. Wenn meine Wahrnehmungsfähigkeit durch Emotionen zu stark beeinträchtigt ist und meine Stimmungen mich ungezügelt durchs Leben reißen. Wenn ich inkompetent und problemorientiert bin und wenn ich mich mit anderen immer wieder zerstreite und Stress ein Dauerthema in meinem Leben ist.

Sieben Resilienz-Faktoren

Die Bedeutung von „Zurückspringen“, „Abprallen“ oder von „psychischer Widerstandskraft“ besteht darin, dass ich bei Schicksalsschlägen, Krisen und Katastrophen auf persönliche Fähigkeiten und soziale Ressourcen zurückgreifen kann und diese für die eigene Entwicklung nutze. Die US-Entwicklungspsychologin Emmy Werner fand heraus, dass es kein Zufall ist, warum manche Menschen schon wegen kleinen Problemen völlig aus der Bahn geworfen werden und andere, trotz widrigster Umstände, sattelfest ein glückliches und zufriedenes Leben führen. Sieben dieser seelischen Schutzfaktoren möchte ich hier beschreiben.

Positive Bezugsperson

Ein Mensch der für mich als Baby, als Kind und als Jugendlicher bedingungslos und liebevoll da war, ist vielleicht überhaupt der größte Segen und die wichtigste Quelle für mein späteres Lebensglück. Die daraus entstehende – positive - Feedbackschleife lässt auf ganz natürliche Weise ein Vertrauen in mich, in andere und ins Leben entstehen.
Wenn mich in schwierigen Lebensumständen ein einziger Mensch oder eine Gemeinschaft stützt, dann kann das so wertvoll sein, wie ein Rettungsring für einen Ertrinkenden. Aus diesem Grund hat der Buddha eine spirituelle Gemeinschaft von Gleichgesinnten (Sangha) als Zuflucht bezeichnet und einen edlen Freund (Kalanamitta) als wichtigen Wegbegleiter am spirituellen Pfad.

Realistische Wahrnehmung

Eine wahrhaftige Einschätzung meiner eigenen Emotionen, die meines Gegenübers und einer bestimmten Lebenssituation, ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, wie sehr ich Gegenwind und Shitstorm standhalten kann.

Selbststeuerung

Als resilienter Mensch lasse ich mich von der Achterbahnfahrt des Lebens nicht zu sehr mitreißen, weder von den Höhenflügen, noch von den Durststrecken. Deswegen ist ein gewisser Gleichmut (Uppekha) ein so ausschlaggebender Katalysator für innere Ruhe und Zufriedenheit.

Selbstwirksamkeit

Wenn ich schon von klein auf gelernt habe, kreativ zu sein, um ganz eigenständig Dinge und Situation zu erschaffen. Wenn aber Eltern bei ihren Kindern regelmäßig hineinpfuschen und ihnen vorgeben, was sie zu denken und zu tun haben, dann verkümmert dieser Kreationssamen. Als Erwachsene werden wir dann auf ähnliche Weise vorgegebenen Meinungen und fertigen Produkten nachlaufen und verlieren zunehmend unsere Selbstständigkeit und Freiheit.

Problemlösungskompetenz

Dabei geht es darum, nicht nur kreativ zu sein, sondern Unangenehmes, Negatives oder Problematisches zu neutralisieren oder gar in etwas Positives zu transformieren (was mit "Resilienz" bezeichnet wird). Wenn ich es schaffe, kleine Hindernisse selber zu überwinden, dann werde ich mit der Zeit auch die Fähigkeit erlernen, mit schwerwiegenden Lebensthemen oder gar globalen Tsunamis entsprechend umzugehen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, wobei Leidenschaft und Disziplin wichtige Verbündete sind.

Soziale Kompetenz

In Österreich sagt man: „S‘Leben is ka gmahde Wiesn!“ (Das Leben ist keine gemähte Wiese!). Außerdem bin ich mit meinen Bedürfnissen nicht alleine auf der Erde und nicht alle Mitmenschen sind mir liebevoll gesinnt. Je größer meine Kompromissfähigkeit ist und je eher ich auch auf anders denkende Menschen zugehen kann, umso mehr kann ich die scharfen Kanten von Umständen und Charakterzügen abrunden. Ein wichtiger Faktor in meinem persönlichen Krisenmanagement besteht darin, Menschen mit entsprechend kompetenten Fähigkeiten um Hilfe zu bitten.

Stressbewältigung

Jeder von uns kommt unter ungewohnten und negativen Umständen in temporären Stress oder Niedergeschlagenheit. Dabei ist es wichtig, dass ich mich nicht zu lange von solchen Emotionen vereinnahmen lasse. Durch Yoga und Meditation kann ich Tools und Fähigkeiten erlernen, wie ich mich zeitnah und regelmäßig in einen sattvischen Zustand versetzen kann. Diese innere Balance und Klarheit sind essentiell, um Probleme als Chancen zu erkennen und mich aus Krisen zu manövrieren.

Monsun blog„Wir wollen die kleinen Dinge lieben,
das Zarte, das Unscheinbare,
das Schwache und Leise,
das in uns und zwischen uns atmet
und nach dem Segen des Künftigen fragt.
Wir wollen die kleinen Dinge hüten,
das Geringe, das sich seiner Größe nicht erinnert,
Das Wachsende, dem zu oft Gewalt angetan wurde,
und das Hoffnungsvolle,
das stiller wurde mit jeder Verletzung.“
Giannina Wedde

Eine Krise beinhaltet nicht nur Negatives und Schlechtes, sondern bietet mir auch immer eine einzigartige Chance zur Entfaltung. Das altgriechische Wort krísis bedeutet ursprünglich ‚Meinung, Beurteilung, Entscheidung‘. Es ist also eine Zeit, in der ich meine Komfortzone und Gewohnheiten hinter mir lassen muss, weil es in meinem Leben, in der Gesellschaft oder global einen Umbruch gibt. Dabei ist die größte Katastrophe oder „Umwendung“, die jedes Lebewesen früher oder später erleben wird, der eigene Tod. Aber schon lange vor dem eigenen irdischen Ableben, können mir bestimmte Erfahrungen die Lebensfreude nehmen.

Corona Brief 2Ich finde,  dass es - bei der undurchsichtigen Faktenlage und den unvorhersehbaren Zukunfts-Aussichten - derzeit ein schwieriges Unterfangen ist, einen Blogbeitrag über die Corona-Situation zu schreiben. Allerdings haben mich in letzter Zeit zwei Schriftstücke in Form von Briefen sehr berührt, in denen eine zeitlose Weisheit mitschwingt, die auch noch eine Aussagekraft haben wird, wenn die gegenwärtige Problematik abgeklungen ist. Ursprünglich wollte ich die Texte aus dem Englischen übersetzen, aber da es dazu schon deutsche Fassungen gibt, möchte ich diese hier wiedergeben.

Der erste Brief wurde von Kristin Flyntz am 12. März verfasst und von Thomas Biedermann am 21. März übersetzt.

Der zweite Brief stammt von einem unbekannten Autor, wahrscheinlich ursprünglich auf Italienisch, und erschien unter dem Titel „Lettera per tutti noi, dal virus“. Ebenfalls unbekannt ist, wer dazu die deutsche Übersetzung verfasste, die am 21. März auf Youtube veröffentlicht wurde.

Ibiza sunrise„Ned virifirchten und ned nochijammern!“ (Sich weder vorausfürchten noch nachjammern!)
Die Lebensweisheit einer alten Bäuerin

Weckruf

Wann war das Leben für die Menschheit zuletzt so unsicher, verletzlich und unvorhersehbar? Ich sehe schockierende und zugleich berührende Berichte im Fernsehen, die mich an kriegsähnliche Zustände oder an einen apokalpytischen Science-Fiction Film erinnern, und das mitten im scheinbar so wohlhabenden und stabilen Europa. Quer über den Globus und durch die Gesellschaft scheint jeder in irgendeiner Weise betroffen zu sein. Von einem Tag auf den anderen erkennen wir, wie unersetzlich die so stiefmütterlich behandelten Gesundheitsberufe sind und dass ein LKW mit Schutzausrüstung mehr wert ist, als ein Goldbarren-Transport. So sehr mich all diese individuellen und nationalen Schicksale berühren, sehe ich dennoch darin eine einzigartige Chance für unser Leben und unseren Planeten.