Mittwoch, 22 Mai 2019 13:16

Der spirituelle Weg und die politische Wahl

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EU Wahl blog"Achte auf Deine Gesinnung, denn sie wird zu Gedanken.
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.
Achte auf Dein Schicksal, denn es bestimmt Dein Leben.
Achte auf Dein Leben, denn es bestimmt Deine Gesellschaft.“
Nach einem Sprichwort aus China

Im Gegensatz zur weltlichen, nach außen gerichteten Gesinnung, führt der spirituelle Weg zunächst nach innen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist eine ethische und menschlich korrekte Grundhaltung. Wenn wir verletzen, lügen, stehlen, sexuellen Missbrauch begehen oder uns sinnlos bereichern (und nicht der yogischen Grundethik folgen), dann wird es kaum möglich sein, Stille und Klarheit zu kultivieren. Aber genau dieses meditative Nach-Innen-Lauschen braucht es, um wirklich zu erkennen, wer ich eigentlich bin, und was für mich tatsächlich und langfristig heilsam ist und Zufriedenheit bringt.

Egoismus versus Wir-Haltung

Nicht zufällig ist im Buddhismus „Rechte Erkenntnis“ die Voraussetzung für „Rechte Gesinnung“. Diese wiederum bedingt, wie ich mit mir selber und mit anderen Mitmenschen, Lebewesen und meiner Umwelt umgehe. Yoga beinhaltet eine Lebenshaltung die - mit Freundlichkeit und Bewusstheit - verbindet, integriert und transformiert, und nicht trennt, exkludiert und in Gewohnheitsmustern stecken bleibt. Wenn mir das zunehmend mit mir selber und mit meinen menschlichen Schwächen gelingt, dann wird mir dies auch entsprechend mit jenen Menschen in meinem Umfeld gelingen, egal wie bekannt oder unbekannt, wie nahe oder fern diese mir erscheinen. Dabei wird sich die exklusive Ich-Mir-Mein-Haltung zunehmend in eine integrierende Wir-Haltung transformieren.

Darüber hinaus werde ich mich zu Ideen, Persönlichkeiten, Organisationen, Parteien und Gesellschaftssystemen hingezogen fühlen, denen eine freundliche Gesinnung wichtiger ist als Ablehnung, Mitgefühl wichtiger als Gleichgültigkeit, Mitfreude wichtiger als Neid, und ein in sich ruhender Gleichmut wichtiger, als zerstörerische Leidenschaft. Das sind nicht zufällig jene erhabenen Geisteszustände, die der Buddha die „Vier Brahma-Viharas“ nennt und Patanjali „Bhavana“ (siehe YS, I,33).

Politiker sind leider (und zum Glück) auch nur Menschen, und dazu gehört, dass es einigen an Reife und Benehmen fehlt. Was ich jedoch bedenklich finde ist, wie viel Zuspruch einige dieser charakterlosen Charaktere bekommen, und – noch schlimmer – dass andere eingebildete und kurz-sichtige Politiker diese in verantwortungsvollste Positionen befördern … letztendlich zum Schaden eines ganzen Landes.

J. Krishnamurti sagte: "Alle Ideologien, ob religiöse oder politische, sind idiotisch, denn es ist das begriffliche Denken, das begriffliche Wort, das die Menschen auf so unglückliche Weise gespalten hat." Und tatsächlich gibt es leider nur wenige politische Größen, die so eine menschliche und spirituelle Reife zeigen, wie Mahatma Gandhi, Nelson Mandela oder der Dalai Lama, als er noch politisches Oberhaupt der Tibeter war. 

Unsere europäischen Vorfahren haben sich seit dem 19. Jahrhundert mit viel Mut und Wissen das Wahlrecht Stück für Stück erkämpft. Und dennoch ist diese wunderbare Möglichkeit der friedlichen Mitbestimmung jedes Bürgers in dieser Welt alles andere als selbstverständlich. Es liegt an jedem von uns – gerade in Zeiten wie diesen - dieses Instrument verantwortlich zu nutzen, oder gleichgültig verfallen zu lassen.

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2 Kommentare

  • Kommentar-Link Sonntag, 26 Mai 2019 18:08 gepostet von Heidrun Golth

    Vielleicht ist es zu simpel - aber wie wäre es ganz einfach mit weniger EGO und mehr WIR - in einem einfachen und gesunden Sinne, gesunder
    Geisteshaltung für das Land Österreich und den gesamten Erdball!!

  • Kommentar-Link Samstag, 25 Mai 2019 04:25 gepostet von Bürgerinitiative

    "Der Ursprung allen Konflikts zwischen mir und meinen Mitmenschen ist, dass ich nicht sage, was ich meine, und dass ich nicht tue, was ich sage." (Martin Buber)

    Soziokratie als Strukturreform der Führung, es könnte helfen, das Pro : Kontra durch qualifizierte Mehrheit (75%) und "diskursive Geltung" zu überwinden. Kurzsichtige Fehlentscheidungen und Parteiinteressen zumindest in Gemeinden eindämmen! Baubehörde professionalisieren und in die Bezirksverwaltung (BH) zu verlegen.

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